Einzäunung und Anbinden

Gut sichtbar im Titelbild: Unterschiedliche Anforderungen an Alpaka-Elektrozaun (4 Bänder plus eine Litze zwischen 30cm und 135cm ab Boden) gegenüber Kuh-Elektrozaun (1 Litze auf 60cm Bodenabstand)

 

Wie hält man Alpakas an einem begrenzten, durch den Mensch festgelegten Ort? Die Antwort auf diese Frage gestaltet sich je nach Umständen einfach bis schwierig.

Alpakas sind Meister-Ausbrecher. Sie überspringen Zäune oder kriechen unter ihnen durch, sind dank ihrer dichten Bewollung relativ unempfindlich gegenüber stromführenden Zäunen. Der erste Schritt zu einem sicheren Zuhause ist das Wohlbefinden der Tiere: Solange kein Anlass besteht, auszubrechen, bleiben die Tiere in aller Regel genau dort wo sie sind.

Für die Umzäunung auf der Weide bieten sich mehrere Varianten an. Stacheldraht ist gesetzlich nicht erlaubt (und auch wenn: Geht gar nicht!), es bleiben Maschendraht, Holzzäune, Elektrozäune, Mauern. Grundsätzlich funktioniert alles, es entscheiden Optik und Budget über das verwendete Material. Auf jeden Fall sollte ein Alpaka-Zaun bis zum Boden reichen (um das Durchkriechen zu verhindern), meistens wird eine Höhe von minimum 120cm (bzw. 140cm für Lamas) empfohlen damit die Tiere nicht darüber springen. Auch allfällige Lücken beispielsweise bei E-Band dürfen nicht zu gross sein. Beim Elektrozaun muss man sich zudem entscheiden: Wählt man breite Bänder welche optisch eine stärkere Grenze markieren, oder wählt man Litzen welche eher das Wollkleid der Tiere bis zu Haut durchdringen? Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt eine Kombination; in der Regel und wenn sich die Tiere wohl fühlen ist breites Band aber unserer Meinung nach die bessere Lösung.

Egal wie man sich entscheidet, der Alpakabesitzer schaut oft neidvoll auf die Koppeln der Kollegen mit Pferden oder Kühen, wo oft zwei Elektrobänder oder bei Kühen gar nur eine einzelner, relativ tief angebrachter Draht ihren Zweck erfüllen, während der Alpakabesitzer Tage und Wochen mit dem Einzäunen verbringt.

Was mache ich unterwegs?

Auswärts gestaltet sich das Thema oft noch schwieriger. Methoden gibt es viele, die meisten müssen jedoch mit den Tieren geübt und trainiert werden, um Gefahren auszuschliessen. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es unserer Erfahrung nach nicht, aber unter diversen Methoden kann die jeweils der Situation entsprechende gefunden werden. Eine kleine Auswahl hier:

Anbinden an einen Bodenanker

Die häufigste und einfachste Methode. Vorteile: Stabil, einfach mitzuführen, sehr variabel. Nachteil: Muss intensiv mit den Tieren trainiert werden, damit sie sich nicht im herumschleifenden Führseil verheddern und verletzen. Nicht geeignet für längere Aufenthalte (beispielsweise über Nacht).

Anbinden an höher gelegene Stellen, beispielsweise Bäume

Vorteile: Sicherer als das Anbinden an einen Bodenanker, da sich die Tiere weniger verheddern können. Nachteile: Es findet sich nicht überall eine passende Anbindegelegenheit. Zudem besteht auch hier eine gewisse Gefahr durch Verdrehen und Verheddern, auch dies muss trainiert werden. Auch ist die Methode nicht optimal, da entweder das Liegen/Fressen starkt eingeschränkt wird, oder die Methode ihren Vorteil nicht ausspielen kann wenn das Seil lang genug dann doch am Boden herumliegt.

Anbinden an schweres Gepäck oder ähnliches

Vorteile: In einer Paniksituation gibt das Gepäck nach, die Verletzungsgefahr für das Tier ist kleiner. Nachteil: Im Fall der Fälle ist nicht nur das Alpaka, sondern auch das Gepäck weg. Nur zu empfehlen bei gut trainierten Tieren, welche man auch problemlos und gekonnt wieder einfangen kann.

Mitführen eine mobile Elektro-Paddocks

Sogenannte Wanderreiter-Sets bestehen aus zusammensteckbaren Eckpfösten, Heringen, Gummiseilen, Elektroband und einem mobilen Elektrozaungerät. So kann unterwegs eine Elektro-Einzäunung errichtet werden.
Vorteile: Die Tiere können ohne Seil gelassen werden, sind freier und können auch gefahrlos übernachten. Nachteile: Das Material muss mitgeführt werden, und es dauert seine Zeit für den Auf- und Abbau. Zudem müssen die meisten Sets für Wanderreiter zunächst noch Alpaka-tauglich abgeändert werden: Mehr Bänder, höhere Pfosten als es für Pferde vorgesehen ist.

Einstellen in einer Pferdebox, Koppel oder ähnliches

Ideal für lange Pausen und Übernachtungen ist es, wenn man die Tiere auf einem Hof einstellen kann, welche über Boxen, Paddocks oder freie Koppeln verfügt. Wenn eine längere Tour geplant ist, sollte man sich über diese Möglichkeiten informieren. Zu beachten sind immer Ausbruchsicherheit (da die Tiere in ungewohnter Umgebung sind), Platzangebot, eventuelle Krankheitsüberträger (beispielsweise im Ziegenstall) und Futterangebot (beispielsweise ungeeignete Koppeln).

Pausieren im Transporter / Anhänger

Je nach Anzahl Tieren und Platzangebot kann auch der Transporter durchaus als Rastplatz dienen. Vorteile: Ausbruchsicher, gewohnte Umgebung für die Tiere, sowie ein gewisser Schutz vor dem Menschen (falsche Fütterung etc.). Nachteile: Auf ausreichende Belüftung und im Sommer die korrekte Temperatur muss geachtet werden, um Hitzetod zu vermeiden. Zudem sollten die Tiere nicht zu lange im Fahrzeug warten müssen, damit sie ihre Transportfläche nicht in der Notdurft verunreinigen müssen.

Fazit

Wer gut schlafen will, investiert viel Zeit, Geld und Mühe in seine Einzäunung. Wer beruhigt reisen will, tut gut daran mit seinen Tieren zu trainieren. Die Ausbruchskünstler machen es einem nicht unbedingt leicht.

Ein nettes Video, welches eigentlich alles besagt, finden sich hier auf Youtube (danke Yvonne für den Hinweis!):

Schur und Wolle

Eine der häufigen Fragen in Bezug auf Alpakas (und Lamas) ist: Müssen die geschoren werden?

Die Antwort lautet eindeutig „Ja“, und dies gleich aus mehreren Gründen: Mit der Zeit kann auch Alpaka-Wolle verfilzen. Dies vermindert den Luftaustausch, und bietet somit Nährboden für Hautparasiten sowie Hauterkrankungen. Beides kann unter der Wolle auch lange unentdeckt bleiben, was die Behandlung erschwert. Die Wolle selbst wird, sobald verfilzt, für eine weitere Verarbeitung unbrauchbar.

Noch schwerer wiegend ist jedoch der klimatische Einfluss auf das Tier: Ein Alpaka kann eine bis zu mehreren Centimeter dicke Wollschicht aufbauen. Im Winter schützt diese Schicht vor Kälte, selbst Minusgrade ertragen Alpakas in aller Regel ohne zu murren. Im Sommer wird das dicke Fell aber zur Belastung: Stellen Sie sich vor, an einem heissen August-Tag im Wintermantel an der Sonne zu liegen: Keine schöne Vorstellung. Unweigerlich bildet sich unter der Wollschicht ein Hitzestau, im Extremfall kann dies lebensgefährlich werden. Die jährliche Schur im Frühjahr ist also mehr Pflicht denn Kür.

Die grosse Frage ist jeweils „wann?“. An warmen Frühlingstagen leiden Alpakas mit Bewollung unter der Hitze, wird es vor allem um die Eisheiligen herum nochmals frostig, frieren frisch geschorene Alpakas. Vor allem bei Jungtieren kann dies auch schon mal zum Problem werden. Eine bewährte Lösung ist eine Wärmequelle im Stall, beispielsweise eine Wärmelampe, welche frisch geschorenen Alpakas die Möglichkeit gibt bei allzu argen Temperaturen Zuflucht zu finden:

Wärmelampe im Alpaka-Stall

Weiter zu bedenken ist ausserdem, dass weisse Alpakas frisch nach der Schur sonnenbrandgefährdet sind. Abhilfe schaffen hier schattige Plätze zur Verfügung zu halten oder eine Schur, welche nicht ganz bis auf die Haut geht. Mit diesen Vorkehrungen schafft die Schur den Tieren bei Wärme grosse Erleichterung, und sie geniessen auch ein Bad an der prallen Sonne (siehe Titelbild). Im Allgemeinen wird eine jährliche Schur im Mai empfohlen.

Dass man mit der Schur seinen Tieren etwas Gutes tut, wissen Alpakas aber leider nicht. Der Akt des Scherens ist für die Tiere schwer zu ertragen. Nicht etwa, dass das Abschneiden von Haaren Schmerzen bereitet – es ist das Festhalten, welches dem Fluchttier zutiefst widerstrebt. Eine an und für sich harmlose Prozedur kann so zum Kampf um Leben und Tod werden, weil sich das Alpaka nach Kräften wehrt, tritt, spuckt, schreit – Stress für Tier und Mensch.

Welche Methoden gibt es, um das Scheren einfacher zu machen? Der Beginn für jede erfolgreiche Schur liegt im Training des Tieres und den gewohnten Umgang mit dem Menschen. Haben die Tiere Vertrauen zum und Erfahrung im Umgang mit dem Menschen, sind sie halfterführig und sind sich gewohnt, auch mal kurzzeitig angebunden zu sein, ist dies schon die halbe Miete. Die Tiere werden so jede Art des Scherens einigermassen gelassen über sich ergehen lassen. Das Scheren selbst kann dabei auf verschiedene Arten erfolgen: Per Handschere oder mit der Schermaschine, am stehenden Tier oder liegenden Tier, am ganzen Körper oder partiell. Jede Methode hat Vor- und Nachteile:

  • Eine Schur per Handschere ist für das Tier meist weniger beängstigend als der Ton der Schermaschine. Es sind keine unbewussten Faktoren wie beispielweise heiss gelaufene Klingen im Spiel, und die Verletzungsgefahr an sensiblen Stellen ist kleiner. Die Schur dauert jedoch wesentlich länger, was auch für das Tier die Prozedur in die Länge zieht. Die Optik der fertigen Frisur kommt meist nicht an eine elektrische Schur heran.
  • Die Schur mit der Maschine dauert im Gegensatz dazu kürzer, ist gleichmässiger im Schnitt und kann durch ihre Effizienz mithelfen, Stress zu reduzieren. Ein geübter Umgang ist jedoch gefragt, und eine Achtsamkeit auf scharfe Messer, regelmässige Pausen um zu vermeiden dass die Messer heiss werden, und vorsichtige Handhabung um zu verhindern dass man zappelnde Tiere verletzt.
  • Das Alpaka zu „strecken“, sprich es am Boden oder auf einem Schertisch hinzulegen und festzuhalten, sieht auf den ersten Blick grausam aus. Die Methode ist die häufigst angewandte, gerade auch weil sie bei untrainierten Tieren die einzige Methode ist. Während klar ist, dass das Festhalten grossen Stress bei den Tieren verursacht, hält die Methode jedoch die Dauer der Prozedur und die Verletzungsgefahr in engen Grenzen. Wird sie richtig angewandt, das heisst mit Geduld, Verständnis, Ruhe und der richtigen Ausrüstung (Fussfesseln müssen gepolstert sein falls verwendet, kein Abdecken des Kopfes etc) kann die Methode durchaus in der Summe „angenehmer“ für das Tier sein als stundenlanges Herumgezupfe im Fell.
  • Ein stehendes Alpaka zu scheren ist schwieriger. Wir das Tier angebunden oder physisch eingerahmt (zum Beispiel in einem Behandlungsstand), ist der Vorteil gegenüber dem vorgenannten Strecken nicht oder nur in geringem Mass gegeben. Hat das Tier Bewegungsfreiheit, muss es zwar weniger „Fluchtstress“ ertragen, die Prozedur wird jedoch aufwändiger und länger. Das Tier empfindet so auch länger Stress. Die Schur gleichmässig und an allen Stellen durchzuführen ist extrem aufwändig. Schwierig zu erreichende Stellen wie Bauch, Beininnenseiten, Kopfbereich sollen aber nicht ausgelassen werden: Krankheiten oder Schädligen können unentdeckt bleiben, die Wolle verfilzen. Eine Schurz am stehenden Tier ist also fast nur möglich bei sehr gut trainierten, sehr ruhigen Tieren und einem Scherer mit viel Geduld und Zeit.

Ist die Schur erfolgreich überstanden, steht dem Sonnenbad der Tiere nichts mehr im Weg – und der Halfter kann sich Gedanken darüber machen, was er mit den 3-5 Kilogramm Wolle machen will, welche er pro Tier gewonnen hat. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Verfilzen, zu Garn spinnen, Bettwaren befüllen, oder als Nistmaterial für Gartenvögel anbieten.

Das kleine Alpaka ABC

Alpaka

Alpakas stammen ursprünglich aus Südamerika und gehören zusammen mit den Lamas zu den sogenannten Neuweltkameliden. Sie sind Schwarz, Braun, Grau, Beige, Weiss oder auf alle Arten gefleckt und werden bis zu 20 Jahre alt. Bekannt sind sie vor allem für ihre Wolle, welche im Gegensatz zur Schafwolle kein Lanolin, also Wollfett enthält. Staub und Bakterien können sich so nicht festsetzen, und die Wolle wird feiner. Nebst Merino ist Alpakawolle die wertvollste Naturwolle.

Alpakas finden zwar auch in der Schweiz immer mehr Verbreitung, sind jedoch den meisten Menschen immer noch höchstens aus dem Zoo, dem Tierpark oder vom Hörensagen flüchtig bekannt. Wir möchten mit dieser Webseite einen Beitrag leisten und Antworten auf häufige Fragen geben, Informationen vermitteln und unsere Begeisterung über diese Tiere mit Ihnen teilen.

 

Bestimmungen des Tierschutz

Der Schweizerische Tierschutz beschreibt einige zwingende Grundvoraussetzungen für die Haltung von Neuweltkameliden. Dazu gehören das Halten in einer Herde, Mindestflächen für Gehege und Unterkünfte, Anforderungen an Gehege, Fütterung und Pflege, aber auch das Vorhandensein eines Sachkundenachweises beim Halter. Wie so oft bei der Tierhaltung werden die Tierschutzbestimmungen als Mindestanforderungen verstanden, welche Tierfreunde gerne bereit sind zu übertreffen – zum Wohl der Tiere.

 

Camelidynamics

Der Umgang mit und das Training von Lamas und Alpakas steckt im Vergleich zu anderen Tierarten vielerorts noch in den Kinderschuhen. Als eine der Vorreiterinnen hat Marty McGee Bennett aus den USA das sogenannte Camelidynamics entwickelt, eine den spezifischen Bedürfnissen von Neuweltkameliden angepasste Trainings- und Handlingmethode, vergleichbar mit Parelli für Pferde oder Natural Dogmanship für Hunde.

Das Grundprinzip beruht darauf zu verstehen, dass die angeborenen Instinkte eines Fluchttieres berücksichtigt werden müssen, und nur Handlungen erfolgreich sind, welche dem Tier genügend Sicherheit vermitteln. Das Resultat ist ein Alpaka, welches Vertrauen hat zum Menschen, sich berühren lässt und ruhig bleibt – für das Alpaka-Trekking wertvolle Eigenschaften, und für den Menschen ein unvergleichliches Erlebnis.

 

Distanz

Alpakas werden oftmals als Distanztiere bezeichnet. Dies bedeutet, dass im natürlichen Herdeverhalten im Vergleich zu anderen Tieren keine Nähe zwischen den Tieren herrscht: Keine gegenseitige Fellpflege, kein Ablecken der Neugeborenen durch die Mutter, keine wesentliche körperliche Zuneigung. Als Resultat mögen es die allerwenigsten Tiere, angefasst zu werden, es sind keine Kuscheltiere. Sich berühren, pflegen oder gar streicheln lassen muss einem Alpaka mit viel Geduld und Training erst beigebracht werden. Haben Alpakas Vertrauen zu Menschen gefasst, lassen sie es dann, wenn auch etwas widerwillig, über sich ergehen.

 

Erkrankungen

Im Wesentlichen sind Alpakas robuste und genügsame Tiere. Krankheiten werden dabei so gut wie möglich versteckt, was dem natürlichen Verhalten entspricht, Raubtieren gegenüber nicht als leichte Beute zu erscheinen. Merkt man einem Alpaka den schlechten Gesundheitszustand an, ist es dann zumeist auch „Föif vor Zwölfi“.

Häufigste Ursache für Erkrankungen ist nebst Parasiten der empfindliche, dreiteilige Magen. Aufgrund dessen Anatomie treten bei falschem Futter Koliken auf, was häufig zum Tod führt. Die Gefahr wird vielfach unterschätzt, da selbst vermeintlich harmloses Futter (Brot, Obst, Pferdemüsli etc.) aufgrund der „Fremdartigkeit“ dem Verdauungsapparat der Anden-Kamelchen schwer zusetzt, entweder aufgrund der Grösse oder der Inhaltsstoffe (so bleiben beispielsweise ungekaute Fruchtstücke stecken, Brot quillt auf, Obst hat zu hohen Zuckergehalt, etc.)

 

Futter

Die Heimat der Alpakas und auch der Lamas sind die Anden Südamerikas. In einer Höhe von über 3000 Metern über Meer finden sie vorwiegend karge Steppenlandschaft vor, und darauf hat sich die Physiognomie eingestellt. Wie effizient die Futterverwertung ist, zeigt sich im Vergleich: Die Tagesration für eine Kuh reicht zur Ernährung von acht ausgewachsenen Lamas. Die Kleinkamelchen benötigen vor allem proteinarmes Heu (Raufutter) und Wasser. Zur Ergänzung dienen Mineralstoffe in Form von speziellen Pulvern oder Lecksteinen. Wenn ein Alpaka dann noch ab und zu frische Gräser weiden darf, ist es bereits rundum zufrieden.

Nochmals an dieser Stelle: Falsche Fütterung ist in Zentraleuropa die häufigste unnatürliche Todesursache von Lamas und Alpakas, und ist unter allen Umständen zu vermeiden. Als Belohnung und Beschäftigung dienen dem Alpaka vor allem kleine Zweige von Obstbäumen. Eine Zugabe von Leckerlis ist weder nötig noch sinnvoll, sondern gefährlich.

 

Grösse und Gewicht

Alpakas besitzen ein Stockmass von ungefähr 75 bis 100 cm und sind damit wesentlich kleiner als ihre Verwandten, die Lamas (100 – 120 cm). Das Gewicht beträgt typischerweise zwischen 55 und 90 Kilogramm (Lama: 100 – 250 kg). Auf dieser Weide sehen Sie eher klein gewachsene, weibliche Tiere. Die Männchen sind in der Regel grösser und kräftiger gebaut.

 

Huacaya und Suri

Die zwei Typen von Alpakas unterscheiden sich in erster Linie durch das Aussehen und die Verbreitung. Huacaya Alpakas sind die häufigere Form, und besitzen die als typische empfundene „Teddybären-Wolle“.

Suri Alpakas stellen schätzungsweise nur gerade etwa 10 Prozent der weltweiten Population dar. Sie verfügen über strähnenartige, gelockte Wolle die am Körper herunter hängt.

 

Insulin

Die Bauchspeicheldrüse des Alpakas bildet nur sehr wenig Insulin aus. Damit kann der Fruchtzucker im Futter nur sehr schwer abgebaut werden. Dies erklärt, warum zucker- und kohlehydratreiche Nahrungsmittel wie Obst schnell gefährlich werden können: Im Vormagen entsteht eine Übersäuerung, welche sich ins Blut überträgt. Dies wiederum verursacht Vormagenentzündungen, Geschwüre, Organschäden, die Schädigung der Bauchspeicheldrüse und letztlich den Tod der Tiere.

 

Jungtiere

Alpaka-Fohlen, Crias genannt, kommen voll ausgebildet zur Welt. Nach der Geburt wird das Jungtier im Gegensatz zu anderen Tierarten nicht von der Mutter trocken geleckt. Nach bereits 20 bis 120 Minuten stehen Alpaka-Babys bereits auf eigenen Beinen. Während der ersten 10 Lebensmonate verbleiben die Jungtiere bei ihren Müttern, wobei sie vor allem während der ersten 6 Monate von dieser gesäugt werden.

Im ersten Lebensjahr besteht verstärkt die Gefahr einer Fehlprägung: Werden Tiere zu früh und zu oft angefasst oder gar geknuddelt, verlieren sie den natürlichen Respekt vor dem Menschen. Dieser wird als Bestandteil der Herde angesehen. Was zunächst harmlos oder gar erwünscht tönt, kann vor allem bei Hengsten gefährlich werden, da diese unweigerlich mit beginnender Pubertät anfangen werden, die Autorität des Menschen zu hinterfragen und ihn in Rangkämpfe verwickeln. Eine derartige Prägung kann meist nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Junge Alpakas sind sehr energiereich und schätzen das Spiel mit ihren Artgenossen. Spielerische Rangkämpfe gehören dabei zum Lernprozess, genauso wie das Beobachten und Abgucken des Verhaltens der Muttertiere. Erfolgreiches Training von Jungtieren gelingt am besten, wenn in Gegenwart des Jungen das ältere Tier trainiert wird.

 

Kommunikation

Alpakas kommunizieren miteinander sowohl durch die Stimme als auch durch den Körper. In der Lautsprache verwenden sie eine Art „Summen“, ähnlich dem menschlichen „Mmmmh“. Auch ein Klickern oder gar Schreien ist möglich, dient aber vor allem dem Anzeigen durch Gefahren.

Eine weitere Art der Kommunikation besteht in der Körpersprache: Stellung von Kopf, Ohren und Schwanz verraten vieles über die Befindlichkeit. Innerhalb der Herde sind auch Schubsen, Drängeln, Spucken und Ringen mit den Hälsen Arten, wie Alpakas unter sich die Rangordnung regeln und verdeutlichen.

 

Lama

Das Lama ist der nächste Verwandte des Alpakas. Gleichwohl aus Südamerika stammend gehört es ebenso zu den Neuweltkameliden. Das Lama ist jedoch deutlich grösser, hat meist kürzere Wolle, und statt der Speerspitzenförmigen Ohren des Alpaka eher nach innen gekrümmte, Bananenförmige Ohren. Während den Ureinwohnern das Alpaka primär als Woll- und Fleischlieferant diente, wurden und werden Lamas als Transportmittel kultiviert. Über die Jahrhunderte haben Lamas so meist mehr Folgsamkeit gegenüber dem Menschen entwickelt und sind allgemein die gefügigere, weniger wilde Art. Durch die Haltung bei den Menschen im Tal sind Lamas weniger an die Höhe gewohnt, und müssen immer wieder in tiefere Lagen gebracht werden. Alpakas, welche in Südamerika in teils riesigen Herden stets in grosser Höhe leben, sind hingegen die dünne Lüft weit über 3000 Meter und schwierige Wetterbedingungen gewohnt.

 

Magen

Alpakas sind Wiederkäuer, jedoch keine echten Wiederkäuer. Diese etwas seltsame Definition leitet sich aus der Form des Magens und der Art des Fressens ab: Während echte Wiederkäuer mehrere voneinander getrennte Mägen haben, verfügt das Alpaka über einen einzigen Magen, welcher drei unterschiedliche „Bereiche“ hat. Der erste und grösste Teil des Magens beinhaltet grob vorgekaute Speisen. Nebst der Funktion als „Vorratskammer“ arbeiten hier eine Vielzahl von Bakterien, Einzellern und Pilzen an der korrekten Vorverdauung des Futters. Das Futter wird dabei immer wieder zurück ins Maul befördert und wiedergekaut, sozusagen als „Umwälzung“. Erst nach einer ganzen Weile, bis zu 63 Stunden, wird der dadurch entstandene Brei weiter in das zweite und abschliessend dritte Magenabteil geführt, wo andere Bestandteile aufgespalten und verwertet werden. Alles in allem sind die Prozesse im Alpakamagen komplex und erfordern ein diffiziles Gleichgewicht von Bakterien, PH-Wert, Enzyme und Keime. Durch die langen Verdauungsprozesse ist das Alpaka im Vergleich zu anderen Weidetieren jedoch sehr „effizient“ und kann sehr viele Bestandteile des Futters verwerten, und damit auch auf kargen Weiden problemlos zurecht kommen.

 

Nachwuchs

Alpakas sind grundsätzlich ganzjährig deckbereit. Sie sind mit etwa einem Jahr geschlechtsreif, die Schwangerschaft dauert rund elfeinhalb Monate. Danach sind sie mehr oder weniger sofort wieder deckbereit. Werden Stuten zusammen mit einem Hengst gehalten, sind sie somit mehr oder weniger dauerträchtig, was jedoch stark an den Kräften der Muttertiere zehrt. Sind sie bereits trächtig, signalisieren sie dies dem Hengst durch Anspucken.

 

Ordnung

Das Alpaka gehört zoologisch zu der Ordnung der Paarhufer, Unterordnung Schwielensohler, der Familie der Kamele und darunter der Gattung der Vikunjas. Mit der Gattung der Altweltkameliden Trampeltier („Kamel“) und Dromedar teilen sie gemeinsame Vorfahren.

 

Population

Gemäss Schätzungen existieren derzeit insgesamt zwischen 3.5 und 4.1 Millionen Alpakas. Davon leben ungefähr 87 Prozent in der Andenregion auf über 3000 Meter über Meer, vornehmlich in Peru. Weitere geschätzte 10 Prozent leben in Bolivien, mit Chile und Argentinien als dritt- und viertgrösste Populationen. Aus diesen Regionen stammen auch die grössten Wollproduktionen. Produkte aus einheimischer Alpakawolle sind vornehmlich eine Randerscheinung, da allgemein die Produktion und Weiterverarbeitung in Europa nicht wirtschaftlich ist.

Was die qualitative Zucht anbelangt, sind mittlerweile die USA, Australien, Neuseeland und England führend. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden die Kleinkamelchen immer beliebter, und es haben sich eigene Verbände und Vereine ausgebildet, welche sich mit der Haltung, Zucht und Nutzung von Kleinkamelen beschäftigen.

 

Rangordnung

Alpakaherden verfügen immer über klare Rangordnungen. Diese wird durch Rangkämpfe bestimmt, welche von harmlos (Ringen mit Hals und Kopf, Spucken) bis brutal (Einsatz von Hengstzähnen) ausfallen können. Die Rangordnung bestimmt das Zusammenleben: Wer frisst zuerst und wer zuletzt, wer liegt wo, wer schiebt Wache, und so weiter. Für das Trekking kann dies durchaus heissen, dass die gesamte Gruppe nur schleppend vorwärts kommt, wenn die richtige Reihenfolge der Tiere nicht berücksichtigt wird.

Die Rangordnung wird periodisch immer wieder neu getestet und verschoben. Aus diesem Grund ist es oft einfacher, drei und mehr Tiere zu halten als nur zwei, da sich ansonsten immer wieder dieselben zwei Tiere „streiten“ würden.

 

Spucken

Vorweg: Ja, Alpakas „spucken“. Genauer gesagt handelt es sich meist um gekautes und vorverdautes Futter und Magensaft, welche dem „Gegner“ ins Gesicht gespuckt werden. Manchmal kann es einfach auch mal das sein, was gerade im Mund steckt und eigentlich gerade gegessen werden wollte.

Der Mensch wird unter normalen Umständen nicht angespuckt, es sei denn er befindet sich in der Luftlinie zweier streitenden Tiere, vergreift sich am Jungtier einer Mutter oder versucht Futter an zwei konkurrierende Tiere zu verteilen. Also keine Angst, hinter dem Zaun sind Sie sicher!

Alpakas spucken, um innerhalb der Herde die Rangordnung festzulegen, andere Tiere in die Schranken zu weisen, um Unmut auszudrücken oder um sich zu verteidigen. Die Methode ist dabei denkbar einfach: Mageninhalt riecht übel, der Gegner wird geschmäht oder durch den Gestank vertrieben. Alpakas können den Duft ihrer eigenen Spucke ebenfalls nicht ausstehen: Nach einer „Spuck-Attacke“ werden sowohl Spucker wie Bespuckter mit offenen Mäulern dastehen, um nicht durch die Nase atmen zu müssen.

 

Training

Alpakas sind neugierig und extrem intelligent. Sie lernen schnell und gerne, was ein grosser Vorteil ist. Denn Alpakas können zu Beginn eigentlich nichts ausser Fressen und Fliehen. Gerade wenn ein Alpaka fürs Trekking eingesetzt werden soll, muss es vieles erst lernen: Halfter und Leine tragen, Verkehr umgehen, Treppen steigen, dem Verhalten anderer Tiere begegnen, Taschen auf dem Rücken tragen, Warten, rückwärts gehen, und auch das Vertrauen zum Menschen selbst. Auch für die notwendige Pflege wie Klauen schneiden oder Scheren ist es unumgänglich, dass ein Tier lernen muss möglichst stressfrei mit diesen Situationen klar zu kommen. Es wird jedoch klar unterschieden zwischen Training und Handling: Beim Training lernt das Tier etwas Neues, was es können soll und auch dem Tier Spass bereitet. Wiederholung ist hier wie bei jedem Lernvorgang angebracht. Handling bezieht sich auf die täglichen Handgriffe der Pflege und der tiermedizinischen Versorgung: Dieses muss das Tier kennen und aushalten können, im Gegensatz zum Training wird hier aber Wiederholung nicht dazu führen, auch dem Tier Spass zu bereiten und ist daher auf das Nötigste zu beschränken.

Vorteilhaft ist, dass die meisten Alpakas nach einer oder zwei positiven Erfahrungen bereits gelernt haben, und auch Spass daran zeigen Neuem zu begegnen. Für den Halter bedeutet dies viel Freude, da Erfolge schnell sichtbar sind und Anreiz geben, weitere Zeit in das Training zu investieren.

Die Trainingsmethode richtet sich bestenfalls am natürlichen Verhalten eines Fluchttieres: Zwang und Druck erzeugen Angst und Gegendruck, während die Wahrung eines „Auswegs“ und das Schaffen von Vertrauen zum Erfolg führt.

 

Umgang

Der Umgang mit Alpakas ist eigentlich recht einfach, wenn man vier entscheidende Grundbedingungen mitbringt:

Grundwissen: Die Anforderungen und das Wissen um Verhalten und spezifische Eigenschaften sind wie bei jeder Tierart die Voraussetzung für den erfolgreichen Umgang mit dem Tier. Welche sind die natürlichen Verhaltensweisen und welchem Zweck dienen sie im Ursprung? Welche Bedürfnisse hat das Tier um gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen? Wo liegen die Grenzen der Fähigkeiten? Das Wissen um diese Dinge verhindert, Tier und Halter zu überfordern.

Beobachtungsvermögen: Ein Alpaka zeigt sehr deutlich, ob es Angst hat. Diffiziler ist es zu erkennen, ob ein Tier Spass hat, ob es Hunger hat, krank ist, mal für kleine Jungs muss oder unter Stress leidet. Ein Tier in Gefangenschaft passt sich je nach Charakter an und „schaltet ab“, was zu Erkrankungen oder Spätfolgen führen kann. Bei Jungtieren werden eigentlich aggressive Signale vom Menschen oft auch als Schmusereien missverstanden. Es braucht darum genaue Beobachtung, um die Stimmungslage von Alpakas zu verstehen.

Einfühlungsvermögen: Das Wissen und die Beobachtung müssen angewendet werden, um zu verstehen warum ein Alpaka tut, was es eben tut, oder warum es nicht tun will, was der Mensch von ihm verlangt. Ist der Mensch in der Lage, sich in die Situation des Tieres mit dessen Wahrnehmung der Wirklichkeit hineinzugeben, finden sich geeignete Methoden um in der Sprache der Alpakas sinnvoll mit ihm zu kommunizieren.

Wissen um die Eigenwirkung: Alpakas sind aufmerksame Beobachter. Sie interpretieren den Menschen sehr genau und verhalten sich entsprechend. Ein Alpaka kennt beispielsweise sehr genau den Unterschied zwischen Vorderseite und Rückseite einer Hand, und kennt die unterschiedlichen Möglichkeiten des Menschen, zu agieren. Dabei bedeutet eine Handrückseite keine Gefahr, während die Handfläche Gefahr bietet, beispielsweise gehalten zu werden. Für den Alpakahalter ist es also wichtig, sich seiner Wirkung bewusst zu sein, um dem Tier mittels Körpersprache zu vermitteln, was er auch beabsichtigt.

 

Verwendung

Die traditionelle Verwendung von Alpakas in ihren Herkunftsländern liegt in der Wollgewinnung und der Schlachtung. Beides spielt in unseren Breitengraden eine untergeordnete Rolle, da die Wollproduktion im Vergleich zu teuer und Alpakafleisch höchstens eine Randerscheinung in der Delikatessenwelt ist.

Die Verwendung von Alpakas in Europa gliedert sich demnach vor allem in folgende Anwendungen:

  • Die professionelle Zucht und den Verkauf der Tiere
  • Die Haltung als reines Hobby
  • Begleitete Wandertouren (Trekking), wobei das Alpaka beim Tragen leichten Gepäckes unterstützt
  • Verwendung in der tiergestützten Intervention: Die Eigenschaften des natürlichen Fluchtinstinktes, zusammen mit der ruhigen Art der Tiere und dem Prinzip „Druck erzeugt Gegendruck“ macht Alpakas zum idealen Begleiter für Therapie, aber auch Fortbildung in Führungsarbeit
  • Herdenschutz: Alpakas und Lamas besitzen eine für unsere Breitengrade ungewöhnliche Eigenschaft für Fluchttiere: Nähert sich eine potentielle Bedrohung, warnt ein Beobachtertier die Herde. Diese zieht sich zusammen, die Tiere machen sich so gross wie möglich und gehen geschlossen auf die Bedrohung zu. Für Jäger wie Wölfe entspricht dies nicht dem natürlichen Verhalten von Beute. Sie werden unsicher und verziehen sich (zu Recht übrigens: Eine grosse Herde Lamas oder Alpakas lässt einem einzelnen Wolf keine Chance). Dieses Verhalten kann auch gegenüber Hunden beobachtet werden. Heute werden vielerorts Beobachtertiere, meist Lamas, in Schafherden eingesetzt und haben sich in Versuchen und Projekten beispielsweise im Bünderland als zuverlässige Wachtiere bewiesen.
  • Weidepflege: Im Gegensatz zu Huftieren wie Kühe, Pferde oder Ziegen haben Alpakas keine harten Sohlen, sondern sogenannte „Schwielen“. Mit diesen weichen Füssen verursachen sie keine Trittschäden auf Weiden und Wiesen. Beim Grasen fressen Alpakas die Gräser ab und reissen diese nicht wie andere Tiere mitsamt den Wurzeln aus dem Boden. Dabei sind sie erst noch gründlich und fressen auch Gräser, welche von anderen Tierarten oftmals stehen gelassen werden da sie für diese zu wenig nährreich sind. Aus diesen Gründen werden Alpakas oftmals auch zur Weidepflege auf Pferdekoppeln oder Kuhweiden eingesetzt.

 

Wandern

Wandern und Trekking mit Alpakas ist unter den richtigen Voraussetzungen ein grosser Spass für Mensch und Tier. Ist ein Alpaka richtig trainiert, macht es ihm Freude neue Umgebungen zu entdecken und etwas Spannendes zu erleben. Bereits die Hinfahrt zu einem etwas weiter entfernten Ort macht einigen Alpakas grosses Vergnügen, wundern Sie sich nicht wenn Sie ein Alpaka aus den Fenstern eines vorbeifahrenden Lieferwagens begafft. Für den Menschen bietet die ruhige und ausgeglichene Art des Alpakas eine ideale Ergänzung zur Entspannung und zum Abschalten vom Alltag. Wie bei jedem Tier macht es dem Halter dabei viel Freude, unterschiedliche Charakterzüge und Eigenschaften seiner Tiere zu entdecken.

Die Alpakas sind beim Wandern unkompliziert und angenehm: Mitfahren können sie im Viehanhänger oder direkt im Laderaum eines Lieferwagens. Sie legen sich während der Fahrt meist hin, und dürfen auch von Rechts wegen nicht angebunden werden. Sie halten das Transportmittel frei von Verunreinigungen, und wenn sie später unterwegs mal „müssen“, tun sie dies gleich alle zusammen und erleichtern so das Aufsammeln in Robidog-Säckchen. Sie kommen längere Strecken ohne Futter und Wasser aus, und geben sich dann mit ein wenig Frischwasser aus einem Bach oder Brunnen sowie ein wenig Knabbern von einer Wiese zufrieden. Sind sie ausreichend trainiert, tragen sie für den Menschen auch noch Regenjacke, Verpflegung und den Gipfelwein, ohne sich zu beklagen. Neuweltkamelchen sind zudem sehr trittsicher, und erklimmen mühelos auch steile Wege, Treppen, und gehen über schmale Pfade. Ein einzelnes Tier kann eigentlich nicht abhanden kommen: Auch wenn die Leine mal losgelassen wird, entfernt sich ein Alpaka nicht von seiner Herde.

 

Zucht

Aufgrund der intensiven Nutzung als Wolllieferanten wurden in den vergangenen Jahrhunderten vielfach vor allem weisse Tiere zur Zucht eingesetzt. Der dadurch reduzierte Genpool hat vielfach zu Gendefekten geführt. Blaue Augen in Verbindung mit Fehlstellung der Beine, Gelenkproblemen oder Taubheit können Resultate dessen sein. Aus diesen Gründen wird in der heutigen Zucht vor allem auf die Qualität der Elterntiere geachtet, um Inzucht und Vererbung dieser Eigenschaften zu vermeiden. Zur Beurteilung der Qualität werden heute sogenannte lineare Beschreibungen herangezogen wonach der Körperbau und die Wollqualität geprüft werden. In der Schweiz gibt es seit einigen Jahren auch ein zentrales Herdebuch, welches über den Stammbaum einzelner Tiere Auskunft gibt. Die Eintragung wie auch die Markierung der Tiere mittels Identifikation-Chip ist jedoch nach heutigem Rechtsstand freiwillig.