Einzäunung und Anbinden

Gut sichtbar im Titelbild: Unterschiedliche Anforderungen an Alpaka-Elektrozaun (4 Bänder plus eine Litze zwischen 30cm und 135cm ab Boden) gegenüber Kuh-Elektrozaun (1 Litze auf 60cm Bodenabstand)

 

Wie hält man Alpakas an einem begrenzten, durch den Mensch festgelegten Ort? Die Antwort auf diese Frage gestaltet sich je nach Umständen einfach bis schwierig.

Alpakas sind Meister-Ausbrecher. Sie überspringen Zäune oder kriechen unter ihnen durch, sind dank ihrer dichten Bewollung relativ unempfindlich gegenüber stromführenden Zäunen. Der erste Schritt zu einem sicheren Zuhause ist das Wohlbefinden der Tiere: Solange kein Anlass besteht, auszubrechen, bleiben die Tiere in aller Regel genau dort wo sie sind.

Für die Umzäunung auf der Weide bieten sich mehrere Varianten an. Stacheldraht ist gesetzlich nicht erlaubt (und auch wenn: Geht gar nicht!), es bleiben Maschendraht, Holzzäune, Elektrozäune, Mauern. Grundsätzlich funktioniert alles, es entscheiden Optik und Budget über das verwendete Material. Auf jeden Fall sollte ein Alpaka-Zaun bis zum Boden reichen (um das Durchkriechen zu verhindern), meistens wird eine Höhe von minimum 120cm (bzw. 140cm für Lamas) empfohlen damit die Tiere nicht darüber springen. Auch allfällige Lücken beispielsweise bei E-Band dürfen nicht zu gross sein. Beim Elektrozaun muss man sich zudem entscheiden: Wählt man breite Bänder welche optisch eine stärkere Grenze markieren, oder wählt man Litzen welche eher das Wollkleid der Tiere bis zu Haut durchdringen? Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt eine Kombination; in der Regel und wenn sich die Tiere wohl fühlen ist breites Band aber unserer Meinung nach die bessere Lösung.

Egal wie man sich entscheidet, der Alpakabesitzer schaut oft neidvoll auf die Koppeln der Kollegen mit Pferden oder Kühen, wo oft zwei Elektrobänder oder bei Kühen gar nur eine einzelner, relativ tief angebrachter Draht ihren Zweck erfüllen, während der Alpakabesitzer Tage und Wochen mit dem Einzäunen verbringt.

Was mache ich unterwegs?

Auswärts gestaltet sich das Thema oft noch schwieriger. Methoden gibt es viele, die meisten müssen jedoch mit den Tieren geübt und trainiert werden, um Gefahren auszuschliessen. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es unserer Erfahrung nach nicht, aber unter diversen Methoden kann die jeweils der Situation entsprechende gefunden werden. Eine kleine Auswahl hier:

Anbinden an einen Bodenanker

Die häufigste und einfachste Methode. Vorteile: Stabil, einfach mitzuführen, sehr variabel. Nachteil: Muss intensiv mit den Tieren trainiert werden, damit sie sich nicht im herumschleifenden Führseil verheddern und verletzen. Nicht geeignet für längere Aufenthalte (beispielsweise über Nacht).

Anbinden an höher gelegene Stellen, beispielsweise Bäume

Vorteile: Sicherer als das Anbinden an einen Bodenanker, da sich die Tiere weniger verheddern können. Nachteile: Es findet sich nicht überall eine passende Anbindegelegenheit. Zudem besteht auch hier eine gewisse Gefahr durch Verdrehen und Verheddern, auch dies muss trainiert werden. Auch ist die Methode nicht optimal, da entweder das Liegen/Fressen starkt eingeschränkt wird, oder die Methode ihren Vorteil nicht ausspielen kann wenn das Seil lang genug dann doch am Boden herumliegt.

Anbinden an schweres Gepäck oder ähnliches

Vorteile: In einer Paniksituation gibt das Gepäck nach, die Verletzungsgefahr für das Tier ist kleiner. Nachteil: Im Fall der Fälle ist nicht nur das Alpaka, sondern auch das Gepäck weg. Nur zu empfehlen bei gut trainierten Tieren, welche man auch problemlos und gekonnt wieder einfangen kann.

Mitführen eine mobile Elektro-Paddocks

Sogenannte Wanderreiter-Sets bestehen aus zusammensteckbaren Eckpfösten, Heringen, Gummiseilen, Elektroband und einem mobilen Elektrozaungerät. So kann unterwegs eine Elektro-Einzäunung errichtet werden.
Vorteile: Die Tiere können ohne Seil gelassen werden, sind freier und können auch gefahrlos übernachten. Nachteile: Das Material muss mitgeführt werden, und es dauert seine Zeit für den Auf- und Abbau. Zudem müssen die meisten Sets für Wanderreiter zunächst noch Alpaka-tauglich abgeändert werden: Mehr Bänder, höhere Pfosten als es für Pferde vorgesehen ist.

Einstellen in einer Pferdebox, Koppel oder ähnliches

Ideal für lange Pausen und Übernachtungen ist es, wenn man die Tiere auf einem Hof einstellen kann, welche über Boxen, Paddocks oder freie Koppeln verfügt. Wenn eine längere Tour geplant ist, sollte man sich über diese Möglichkeiten informieren. Zu beachten sind immer Ausbruchsicherheit (da die Tiere in ungewohnter Umgebung sind), Platzangebot, eventuelle Krankheitsüberträger (beispielsweise im Ziegenstall) und Futterangebot (beispielsweise ungeeignete Koppeln).

Pausieren im Transporter / Anhänger

Je nach Anzahl Tieren und Platzangebot kann auch der Transporter durchaus als Rastplatz dienen. Vorteile: Ausbruchsicher, gewohnte Umgebung für die Tiere, sowie ein gewisser Schutz vor dem Menschen (falsche Fütterung etc.). Nachteile: Auf ausreichende Belüftung und im Sommer die korrekte Temperatur muss geachtet werden, um Hitzetod zu vermeiden. Zudem sollten die Tiere nicht zu lange im Fahrzeug warten müssen, damit sie ihre Transportfläche nicht in der Notdurft verunreinigen müssen.

Fazit

Wer gut schlafen will, investiert viel Zeit, Geld und Mühe in seine Einzäunung. Wer beruhigt reisen will, tut gut daran mit seinen Tieren zu trainieren. Die Ausbruchskünstler machen es einem nicht unbedingt leicht.

Ein nettes Video, welches eigentlich alles besagt, finden sich hier auf Youtube (danke Yvonne für den Hinweis!):

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